Warum Handwerker besser einen TRGS 524 Fachkundelehrgang statt den Asbestlehrgang nach TRGS 519 besuchen sollten
- FLEMING.CONSULTING.
- 3. März
- 6 Min. Lesezeit

Der Bau- und Sanierungssektor ist mit vielen Herausforderungen konfrontiert, und eine der größten Gefahren, die beim Bauen im Bestand übersehen werden, ist die mögliche Belastung durch Schadstoffe.
Die Sanierung und Renovierung von Altbauten birgt nicht nur Risiken durch Asbest, sondern auch durch viele andere gefährliche Stoffe wie KMF (Künstliche Mineralfasern), PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe), PCB (Polychlorierte Biphenyle), PCP (Pentachlorphenol), Lindan, Schimmelpilze, Formaldehyd und Radon. Um sicher und gesetzeskonform mit diesen Stoffen umgehen zu können, ist eine fundierte Ausbildung erforderlich.
Hierbei stellt sich die Frage, ob es sinnvoller ist, den sogenannten Asbestschein nach TRGS 519 zu erlangen oder lieber einen umfassenden Fachkundelehrgang nach TRGS 524 zu besuchen.
In diesem Blogbeitrag gehen wir auf die wesentlichen Unterschiede zwischen diesen beiden Zertifikaten ein und erklären, warum Handwerker, die mit der Sanierung von Bestandsgebäuden zu tun haben, vom TRGS 524 Fachkundelehrgang mehr profitieren.
1. Was ist der Unterschied zwischen TRGS 519 und TRGS 524?
TRGS 519 – Asbestschein für den Umgang mit Asbest
Der Asbestschein nach TRGS 519 ist eine spezialisierte Schulung, die Handwerkern den sicheren Umgang mit Asbest in Gebäuden beibringt. Diese Schulung ist für die Arbeiten erforderlich, die mit asbesthaltigen Baustoffen verbunden sind, wie zum Beispiel bei der Sanierung von asbestbelasteten Dächern, Fassaden oder Bodenbelägen.
Die TRGS 519 Schulung ist relativ kurz und fokussiert sich ausschließlich auf Asbest. Sie vermittelt den Teilnehmenden Wissen über die Gefahren von Asbest, die Vorschriften zum sicheren Arbeiten mit Asbest, Schutzmaßnahmen und den Umgang mit asbesthaltigen Materialien. Es ist also eine sehr spezifische Schulung für einen bestimmten Stoff.
TRGS 524 – Fachkundelehrgang für den Umgang mit Schadstoffen in Bestandsgebäuden
Der TRGS 524 Fachkundelehrgang ist deutlich umfassender und bezieht sich nicht nur auf Asbest, sondern auf die gesamte Bandbreite von Schadstoffen, die in Bestandsgebäuden vorkommen können. Hierzu zählen neben Asbest auch KMF, PAK, PCB, PCP, Lindan und Radon – alles Stoffe, die ebenfalls schwerwiegende gesundheitliche Risiken für Handwerker und die späteren Bewohner des Gebäudes darstellen können.
In einem TRGS 524 Fachkundelehrgang erhalten die Teilnehmer nicht nur theoretische Kenntnisse, sondern auch praktische Einblicke in die Gefahrenstoffe, ihre Entstehung, ihre Verbreitung in Bestandsgebäuden und die notwendige Schutzmaßnahmen bei deren Entsorgung oder Sanierung. Der Lehrgang ist daher für alle Handwerker geeignet, die regelmäßig mit der Sanierung
von Altbauten zu tun haben und ein fundiertes Wissen über den Umgang mit sämtlichen Schadstoffen benötigen.
Unsere TRGS 524 Schulung hat den Alleinstellungsmerkmal, weil wir uns insbesondere auf die visuelle Erkundung und Feststellung von den typischen Gefahrstoffen in der Einbausituation beschäftigen. Zusätzlich vermitteln wir den Teilnehmern die praktische Kenntnis darüber, wie man die Schadstoff-Verdachtsstellen (je nach Art und Gefährdung) selbstständig geprobt, für das Labor vorbereitet und wie man die späteren Laborberichte interpretiert.
Neben Vordrucken, Schritt-für-Schritt Anleitungen und Labor-Preislisten vermitteln wir Schadstoffkenntnisse auf hohen Niveau.
Zusätzlich werden alle unsere Teilnehmer zu regelmäßig stattfindenden Frage-Antwort Runden (Online-Workshops von etwa 2 h) kostenlos eingeladen, in denen regelmäßig die offenen Fragen der Teilnehmer gestellt und beantwortet werden.
2. Die Gefährlichkeit von Schadstoffen beim Bauen im Bestand
Der Umgang mit gefährlichen Stoffen ist beim Bauen im Bestand unvermeidbar. Während Asbest wohl der bekannteste Schadstoff in diesem Zusammenhang ist, gibt es eine Vielzahl anderer Stoffe, die ebenfalls gefährlich sind und die bei unsachgemäßer Handhabung zu ernsten gesundheitlichen Schäden führen können. Hier einige der wichtigsten Schadstoffe:
2.1 Asbest
Asbest ist der bekannteste Schadstoff, der in älteren Gebäuden vorkommt. Bei der Verarbeitung von Asbestmaterialien werden gefährliche Asbestfasern freigesetzt, die beim Einatmen zu schweren Erkrankungen wie Asbestose, Lungenkrebs und Mesotheliom führen können. Das Risiko durch Asbest ist unbestritten, weshalb auch das Arbeiten mit asbesthaltigen Materialien strengen Regelungen unterliegt.
2.2 KMF (Künstliche Mineralfasern)
Künstliche Mineralfasern wie Glaswolle und Steinwolle werden häufig als Dämmmaterialien eingesetzt. Auch wenn sie als weniger gefährlich gelten als Asbest, können sie bei längerer Exposition gesundheitliche Probleme verursachen. Besonders beim Abbruch oder der Sanierung von Altbauten werden feine Partikel freigesetzt, die bei Inhalation zu Atemwegserkrankungen führen können.
2.3 PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe)
PAK entstehen bei unvollständiger Verbrennung von organischen Materialien und können in alten Gebäuden in Fassadenfarben, Dachpappen oder sogar als Rückstände in Böden vorkommen. Sie sind krebserregend und können das Erbgut schädigen, was ihre Entsorgung besonders gefährlich macht.
2.4 PCB (Polychlorierte Biphenyle)
PCB wurden früher als Weichmacher in Farben, Lacken, Dichtungsmassen und auch als Isoliermaterial in Transformatoren eingesetzt. Sie sind langlebig und können sich in der Umwelt anreichern. PCB stehen im Verdacht, krebserregend zu sein und haben außerdem negative Auswirkungen auf das Immunsystem und die Fortpflanzung.
2.5 PCP (Pentachlorphenol)
PCP wurde in der Vergangenheit als Holzschutzmittel verwendet, ist jedoch heute in vielen Ländern verboten. Dennoch finden sich in älteren Gebäuden noch Rückstände von PCP, die beim Entfernen von Holzmaterialien freigesetzt werden können. PCP ist gesundheitsschädlich und kann Hautreizungen und Atemwegserkrankungen verursachen.
2.6 Lindan
Lindan ist ein Insektizid, das in der Vergangenheit zur Bekämpfung von Schädlingen verwendet wurde. Es kann in Böden und Wänden von Altbauten vorkommen und stellt eine Gefahr für die menschliche Gesundheit dar, da es krebserregend ist.
2.7 Radon
Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Gas, das aus dem Erdreich in Gebäude eindringen kann. Besonders in Regionen mit hohem Uranvorkommen ist Radon eine Gefahr für die Gesundheit, da es bei längerer Exposition Lungenkrebs verursachen kann.
3. Warum der TRGS 524 Fachkundelehrgang sinnvoller ist
3.1 Umfangreiche Ausbildung für Handwerker
Handwerker, die regelmäßig mit dem Bauen und Sanieren im Bestand zu tun haben, benötigen weit mehr Wissen als nur über Asbest. Der TRGS 524 Fachkundelehrgang bietet eine fundierte Ausbildung über alle relevanten Schadstoffe, die in Bestandsgebäuden vorkommen können. Durch diese breite Wissensvermittlung sind Handwerker nicht nur auf Asbest, sondern auch auf andere Gefahrenstoffe vorbereitet, was ihre Sicherheit und die Sicherheit ihrer Kollegen erhöht.
3.2 Höhere Qualifikation für den Umgang mit Schadstoffen
Mit einer TRGS 524 Zertifizierung sind Handwerker in der Lage, mit einer Vielzahl von Schadstoffen sicher umzugehen. Sie wissen, welche Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen, um Gesundheitsrisiken zu minimieren und gesetzliche Vorschriften einzuhalten. Diese umfangreiche Schulung ist ein großer Vorteil, wenn es darum geht, den Überblick über alle relevanten Gefahren zu behalten.
3.3 Langfristige Vorteile für die Karriere
Der TRGS 524 Fachkundelehrgang ist eine fortgeschrittene Qualifikation, die Handwerkern langfristige Vorteile in ihrer Karriere verschaffen kann. Diese umfassende Schulung macht Handwerker nicht nur zu Experten im Umgang mit Schadstoffen, sondern qualifiziert sie auch für anspruchsvollere Projekte und Positionen. Ein TRGS 524 Lehrgang kann daher die Karrierechancen erheblich verbessern.
3.4 Erhöhte Sicherheit für Handwerker und Bauherren
Der Umgang mit gefährlichen Stoffen ist riskant, aber mit der richtigen Ausbildung können diese Risiken deutlich verringert werden. Der TRGS 524 Lehrgang lehrt Handwerker nicht nur die Gefahren zu erkennen, sondern auch, wie man sich selbst und andere schützt. So können Handwerker mit gutem Gewissen arbeiten und ihre Baustellen sicherer machen.
3.5 Erfüllung gesetzlicher Vorschriften
Das Bauen und Sanieren von Bestandsgebäuden unterliegt strengen gesetzlichen Auflagen, besonders wenn es um den Umgang mit gefährlichen Stoffen geht. Der TRGS 524 Lehrgang ist eine rechtlich anerkannte Qualifikation, die sicherstellt, dass Handwerker alle gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Damit schützen sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Auftraggeber vor rechtlichen Konsequenzen.
4. Häufige Fragen (FAQ)
1. Was ist der Unterschied zwischen dem Asbestschein nach TRGS 519 und dem TRGS 524 Fachkundelehrgang?
Der Asbestschein nach TRGS 519 bezieht sich ausschließlich auf den Umgang mit Asbest, während der TRGS 524 Fachkundelehrgang eine umfassende Schulung für den Umgang mit verschiedenen Schadstoffen im Bestand (wie Asbest, KMF, PAK, PCB, PCP, Lindan und Radon) bietet.
2. Muss ich den TRGS 524 Lehrgang absolvieren, wenn ich nur mit Asbest arbeite?
Wenn Sie ausschließlich mit Asbest arbeiten, ist der Asbestschein nach TRGS 519 ausreichend. Wenn Sie jedoch auch mit anderen gefährlichen Stoffen in Bestandsgebäuden zu tun haben, ist der TRGS 524 Lehrgang unausweichlich.
3. Wie lange dauert der TRGS 524 Fachkundelehrgang?
Der TRGS 524 Fachkundelehrgang dauert in der Regel 2 Tage. Unser TRGS 524 - Fachkundelehrgang (Gebäudeschadstoffe wird online über 2 Tage durchgeführt).
4. Wer kann am TRGS 524 Lehrgang teilnehmen?
Der Lehrgang richtet sich an Handwerker, die in der Sanierung und im Umbau von Bestandsgebäuden tätig sind und mit gefährlichen Stoffen wie Asbest, KMF, PAK, PCB und anderen arbeiten.
5. Ist der TRGS 524 Fachkundelehrgang gesetzlich vorgeschrieben?
Ja, der TRGS 524 Fachkundelehrgang ist für Handwerker gesetzlich vorgeschrieben, die mit gefährlichen Stoffen im Rahmen von Renovierungs- oder Sanierungsarbeiten arbeiten, um den gesetzlichen Anforderungen an den Arbeitsschutz gerecht zu werden.
Fazit
Für Handwerker, die im Bauen und Sanieren im Bestand tätig sind, ist der TRGS 524 Fachkundelehrgang eine wesentlich umfassendere und zukunftssichere Weiterbildung als der Asbestschein nach TRGS 519. Er bereitet auf den sicheren Umgang mit einer Vielzahl von Schadstoffen vor und erhöht sowohl die Sicherheit auf der Baustelle als auch die beruflichen Perspektiven der Handwerker. Wenn Sie regelmäßig mit älteren Gebäuden arbeiten und mit gefährlichen Stoffen in Berührung kommen, ist der TRGS 524 Lehrgang eine lohnenswerte Investition in Ihre Zukunft.
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